Die LINKE regional

Infostand in Öhringen

26. Oktober 2020  Die LINKE regional

Vergangenen Samstag, dem 24. Oktober standen wir mit einem Infostand und zum Sammeln von Stützunterschriften für die Landtagswahl in Öhringen. Vielen Dank an alle, die den Weg zu uns gefunden haben.

Für Vielfalt in Heilbronn

26. Oktober 2020  Die LINKE regional

Das Bündnis “Netzwerk gegen Rechts Heilbronn” rief am 15. Oktober zu einer Kundgebung gegen Rassismus anlässlich einer AfD-Veranstaltung in der Heilbronner Harmonie auf.

Neben einigen Rednerinnen und Rednern sprach auch unsere Kreissprecherin und Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand der Linken BW Heidi Scharf vor ca. hundert Demonstrierenden.

Im Folgenden eine Zusammenfassung ihrer Rede:

Schon in den 60er Jahren hat sie gegen Rechts und die NPD demonstriert, später gegen die Republikaner und heute gegen die AfD.

In Zeiten großer politischer Unsicherheit verspreche die so genannte “Alternative für Deutschland” einfache Lösungen, so unsere Kreissprecherin. Und diese stünden konträr zu den Interessen der Mehrheit der Menschen in diesem Land.

Die LINKE und Gewerkschafter*innen haben klare Positionen zu der unsäglichen Politik der AfD, betont sie. “Diese Partei schadet unserer Demokratie und deshalb stehen wir heute hier.” 

Im Folgenden zeigt sie auf, was es bedeute, wenn eine solche Partei maßgeblich Einfluss in der Politik erreichen würde: Während die LINKE die Entlastung unterer Einkommen und Anhebung des Spitzensteuersatzes auf 49% fordert, will die AfD ein Stufenmodell mit einem Spitzensteuersatz von 25% bereits ab 20.001 Euro. “Das trifft vor allem die kleinen Leute, die die AfD ja angeblich als einzige Partei vertritt”, verdeutlicht Scharf.

“Wir wollen einen handlungsfähigen Staat, und damit meine ich nicht die Ordnungskräfte, sondern einen Sozialstaat, der von denen maßgeblich mitfinanziert wird, die am meisten besitzen”, erläutert sie. “Wir wollen eine Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums.” Im Gegensatz dazu will die AfD einen schwachen Staat mit möglichst wenig Steuern für Reiche, sagt die Kreissprecherin.

“Wir wollen die Wiedererhebung der Vermögenssteuer. Die AfD will keine Vermögenssteuer für die Reichen”, fährt sie fort. “Doch die Erhebung einer Vermögenssteuer würde gerade in diesen unsicheren Zeiten Geld bringen, um die nötigen Aufgaben zu erledigen, unter dem Gesichtspunkt: Alle müssen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.”

Anschließend geht es um das Rentenkonzept beider Parteien: “Wir wollen die Rente mit 63 für besonders langjährig Versicherte und vor allem die Anhebung des Rentenniveaus”, erklärt Heidi Scharf. “Die AfD will das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln. Das heißt: Sie will einen immer späteren Renteneintritt.” Wer also heute jung ist, müsste dann vielleicht einmal bis 90 arbeiten, betont sie.

Auch auf das Thema Bildung geht sie ein: “Wir wollen mehr Chancengleichheit, für längeres gemeinsames Lernen und für die Gemeinschaftsschule. Die AfD will eine stärkere Auslese und ein uneingeschränktes Leistungsprinzip – gegen die “Einheitsschule” und für das dreigliedrige Schulsystem. Das würde Kindern aus sozial schwachen Familien die Grundlage für Chancengleichheit entziehen.”

Außerdem: “Wir wollen mehr Demokratie und sozialen Zusammenhalt in Europa”, sagt sie. Laut ihr würde aber die AfD Europa lieber heute als morgen abschaffen. “Das ist die Demokratie, die sie meinen. Sie wollen den Nationalstaat und nicht das friedliche Miteinander.”

Des Weiteren will die LINKE die Anerkennung unterschiedlicher Lebensformen und damit mehr persönliche Freiheit für alle, erläutert Heidi Scharf. “Die AfD will zurück zu den drei Ks: Kinder, Küche, Kirche. Und sie ist gegen die Ehe für alle. Die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts lassen grüßen. Frauen wehrt euch!”, ruft sie auf.

Gewerkschafter*innen und Linke wollen eine wirkliche Gleichstellungspolitik in Gesellschaft und Arbeitswelt auf allen Ebenen, führt sie weiter aus. “Die AfD lehnt eine Gleichstellungspolitik ab, die “natürliche Unterschiede” verwischt – heißt, zurück in die Vergangenheit. Sie will die Förderung von Hausfrauen und Müttern und steht gegen eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen in allen Lebensbereichen”.

Sie fasst zusammen: “Ihr seht, diese Partei will nicht den Fortschritt, will nicht einen demokratischen Staat, an dem alle Menschen gleichermaßen teilhaben können. Sie wollen den Rückschritt. Sie wollen Menschen ausgrenzen und Frauen auf die Familien- und Sorgearbeit reduzieren.”

Sie nimmt erneut Bezug zur Podiumsdiskussion an diesem Tag: “Das ist keine Demokratie und ihr Titel zur heutigen Diskussion ist der reinste Hohn. Und die Podiumsteilnehmer*innen sprechen ja Bände.” Das Thema der Veranstaltung: “30 Jahre Wiedervereinigung – Bürgerwille, Meinungsfreiheit, Selbstbestimmung in einer gefährdeten Demokratie”

Heidi Scharf: “Wir stehen hier gegen Sexismus, Rassismus und Faschismus. Wir stehen hier gegen die Ausgrenzung von Menschen aus anderen Ländern, von Frauen, von Menschen mit Behinderung. Die AfD ist und bleibt eine rechte Partei, die nichts mit Freiheit, Gleichheit und Demokratie am Hut hat. Und ihre Entwicklung geht immer weiter nach rechts. Die faschistischen Strömungen gewinnen langsam die Mehrheit der AfD. Sie bestimmen zukünftig die Politik dieser Partei.”

Sie ruft die Zuschauer noch einmal auf: “Wir müssen alle gemeinsam dagegen antreten, dagegen arbeiten, dagegen aufstehen, damit diese Partei nicht wieder in den Landtag einzieht. Lasst uns weiter kämpfen gegen Nationalismus und Faschismus, für unsere Freiheit und Demokratie. Tag für Tag.”

Zuletzt noch ein Appell: “Am 14. März 2021 ist Landtagswahl. Ich rufe euch auf – tut alles, um einen erneuten Einzug der AfD in den Landtag von Baden-Württemberg zu verhindern!”

Infostand in Crailsheim

11. Oktober 2020  Die LINKE regional

Am Samstag, den 10.10.2020 waren wir mit einem Infostand in Crailsheim zu Gast. Danke an alle, die vorbeigeschaut haben.

Kita-Streik: Erzieher*innen brauchen keine moralische Zurechtweisung, sondern eine Politik, die Rahmenbedingungen für gute Arbeit schafft!

05. Oktober 2020  Die LINKE regional

Pressemitteilung Linke BW vom 02. Oktober 2020

Nachdem die kommunalen Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt haben, waren in dieser Woche auch in Baden-Württemberg die ersten Warnstreiks im öffentlichen Dienst.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte am Dienstagabend in einem Interview mit dem SWR, dass er kein Verständnis dafür habe, in einer Pandemie Kindergärten zu bestreiken.

Elwis Capece, Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand der LINKEN in Baden-Württemberg, sagt zu Kretschmanns Äußerung:

„Winfried Kretschmann hat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er nicht auf der Seite der Beschäftigten steht. Besonders die Kolleg*innen in den Kitas und Krankenhäusern haben ein hohes Verantwortungsbewusstsein und streiken nicht leichtfertig. Sie brauchen keine moralische Zurechtweisung, sondern eine Politik, die die Rahmenbedingungen für gute Arbeit schafft.

Kretschmanns Aussage ist nicht nur überheblich und zeugt davon, dass er keinen blassen Schimmer hat, unter welcher Arbeitsbelastung die Beschäftigten tagtäglich arbeiten. Schlimmer noch, letztlich wendet er sich mit seiner Aussage gegen das Grundrecht, im Arbeitskampf streiken zu können. Der Streik ist das letzte Mittel der Gewerkschaften ihre Forderungen durchzusetzen. Warum wendet sich Herr Kretschmann mit seinen Appellen nicht an die kommunalen Arbeitgeber, die mit ihrer Blockadehaltung, dieses letzte Mittel nötig gemacht haben?

Statt sich als Ministerpräsident für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen, wettert er mit seiner Aussage gegen die Beschäftigten, die jeden Tag einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft leisten.“


Sahra Mirow, Landessprecherin der LINKEN. Baden-Württemberg, ergänzt:

„Die Grünen in Baden-Württemberg zeigen damit, dass sie nicht auf der Seite der Arbeitnehmer*innen stehen und ihnen nichts daran gelegen ist, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Sie zeigen damit aber auch, dass sie kein Konzept für den Ausbau der Kita-Plätze und die Bekämpfung des Erzieher*innenmangels haben.

Es fehlen schon jetzt rund 3000 Kita-Plätze allein in der Landeshauptstadt Stuttgart. Wie soll das dringend nötige, zusätzliche Personal gewonnen werden, wenn das Gehalt schon heute nicht für die Miete reicht?“

Michel Brandt spricht in Schöntal

05. Oktober 2020  Die LINKE regional

Am 22. September war der Karlsruher Bundestagsabgeordnete der Linken Michel Brandt in Schöntal-Westernhausen zu Gast. Er referierte bei gut besuchtem Haus zum Thema “was geschieht an den EU-Außengrenzen”.

Brand, menschenrechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, schilderte von den miserablen und inhumanen Zuständen in den griechischen Flüchtlingslagern, von denen er sich bei persönlichen Vorortterminen ein Bild machen konnte und forderte deren Evakuierung.

Die Linke Schwäbisch Hall/ Hohenlohe bedankt sich bei allen Gästen, die zur Veranstaltung erschienen sind und mit ihren Diskussionsbeiträge den Abend mitgestaltet haben.

Von links: Kreisrat Ernst Kern, Kreissprecherin Heidi Scharf, MdB Michel Brandt, Landtagskandidatin für Neckarsulm Jasmin Ellsässer und Landtagskandidat für Hohenlohe Simon P. Brecht

Solidarität mit den Beschäftigten von Mahle

25. September 2020  Die LINKE regional

Wir stehen an der Seite der Beschäftigten! Es kann nicht sein, dass die Arbeitnehmer*innen für Managementfehler bezahlen. Sie haben ihre Arbeit gemacht. Die Zukunftsfähigkeit des Unternehemens muss vom Management gesichert werden. Doch die haben versagt. Wir wüssten, wer zuerst entlassen werden sollte!
Auf die Straße!

Alexander Kleiß referiert am 14.09. im Parteibüro

14. September 2020  Die LINKE regional

Mehr Geld für Pflegepersonal

29. März 2020  Die LINKE regional

Entschlossen und solidarisch gegen den Pflegenotstand

https://www.pflegenotstand-stoppen.de/aufruf-unterzeichnen/

Coronavirus und seine Folgen

19. März 2020  Die LINKE regional

Beschluss des geschäftsführenden Parteivorstands vom 16. März 2020

Die Coronakrise ist eine gesellschaftliche Krise. Diese wollen wir solidarisch bewältigen. – Was jetzt passieren muss.

Tausende sind in Deutschland mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert, bisher gibt es acht Todesfälle (14.03.). Obwohl diese Entwicklung absehbar war, hat die Bundesregierung zu wenig wirksamen Maßnahmen ergriffen, um die Bevölkerung zu schützen. Stattdessen hat sie gezögert und die Verantwortung auf die Länder, Kommunen und Einzelpersonen abgewälzt. Die Lungenkrankheit COVID-19 ist nicht für jeden gleich gefährlich. Doch vor allem für ältere Menschen, chronisch Kranke und andere Hochrisikogruppen kann sie tödlich sein.

Jetzt rächt sich, dass Krankenhäuser seit Jahren kaputtgespart werden und mehr als hunderttausend Pflegekräfte fehlen. In anderen Ländern ist jetzt schon zu beobachten, was passiert: Krankenhäuser sind überlastet, Pflegekräfte erschöpft, Material zu knapp, es müssen Entscheidungen darüber getroffen werden, wer beatmet werden kann und wer nicht. CDU-Gesundheitsminister Spahn reagiert, indem er die Personaluntergrenzen aussetzt und die Situation für die Pflegenden noch schlimmer macht.

Angefacht durch die Nervosität und Einschränkungen, die das Coronavirus auslöst, droht eine Wirtschaftskrise. Die EZB will wieder Banken retten, die Bundesregierung verspricht Unternehmen Steuersenkungen. Sie will 3,1 Milliarden Euro in die Infrastruktur investieren. Das ist viel zu wenig! Es braucht jetzt ein Investitionspaket und Maßnahmen, die die Menschen schützen. Die denen helfen, deren Gesundheit und Existenz von der Krise bedroht ist.

Das Coronavirus zeigt, in welchem Zustand unsere Gesellschaft ist: Die Schuldenbremse gefährdet Menschenleben, weil nicht genügend Personal in den Krankenhäusern ist. Ärzte und Pflegekräfte müssen entscheiden, wen sie noch behandeln können und wen nicht. Beschäftigte gehen krank zur Arbeit, weil sie nicht ausfallen dürfen. Anders als Kulturveranstaltungen und Fußballspiele darf die Produktion nicht ausfallen. Ältere Menschen, die arm sind und alleine leben, müssen sich selbst versorgen, und können sich nicht leisten, das Haus nicht zu verlassen. Viele haben Angst um ihre Gesundheit – und um ihre Existenz. Das Virus trifft die Schwächsten am härtesten.

Daher ist es jetzt nötig, die Menschen für die Gefahren der Pandemie zu sensibilisieren, ohne sie in Panik zu versetzen. Nur gemeinsam und solidarisch können wir diese Herausforderung meistern.

Corona kann mit darüber entscheiden, in was für einer Gesellschaft wir leben: Wird die soziale Spaltung drastischer oder tun wir das Richtige und stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt und stärken die Strukturen der Solidarität?

I. Wir brauchen sofort ein Aktionsprogramm:

1. Gesundheitssystem stärken: 

  • In den Krankenhäusern und der Altenpflege fehlen jeweils mindestens 100.000 Pflegekräfte. Wir brauchen ein Sofortprogramm, das allen Pflegekräften – und denen, die in den Beruf zurückkommen – 500 Euro im Monat Zulage zahlt. Damit die Reserven mobilisiert werden. Damit sich die Arbeitsbedingungen endlich verbessern. Damit die Gesundheit von Pflegekräften und Patient*innen geschützt wird.
  • Pflege- und Gesundheitsberufe sind vielfach weiblich. Der Anteil des Personals im Gesundheits- und Sozialsektor mit betreuungsbedürftigen Kindern ist im Vergleich zur Gesamtbevölkerung fast doppelt so hoch. In dem Moment, wo Schul- und Kita-Schließungen notwendig werden, fehlt dieses Personal in Krankenhäusern und Arztpraxen. Hier müssen dringend Notfallstrukturen für die Betreuung von Kindern, deren Eltern im Pflege- und Gesundheitsbereich arbeiten, aufgebaut werden. 
  • Darüber hinaus, muss die Koordinierung und Zusammenführung von Daten verbessert werden, damit im Ernstfall zur Verfügung stehende  Beatmungsplätze und Verfügbarkeit von zusätzlich benötigtem medizinischem Personal möglich ist. Wir schlagen vor, wie in vereinzelten Bundesländern bereits erfolgt, eine freiwillige Registrierung von medizinischem Personal vorzunehmen (Ärzt*innen, Ärzt*innen im Ruhestand, Krankenpfleger*innen, Arzthelfer*innen, Laborpersonal, Medizinstudent*innen ab dem 5. Semester). Hierfür braucht es eine zentrale Krisenkoordination auf Bundesebene.

2. Gesundheit schützen: 

  • Öffentlicher Gesundheitsdienst und -ämter müssen sofort gestärkt werden. Der Bund muss sich hier mit Kommunen und Ländern verständigen, zu einer besseren Ausstattung beitragen und gegen den Personalmangel vorgehen.
  • Es müssen mehr Coronatests zur Verfügung stehen und sie müssen kostenlos sein. Besonders medizinisches Personal muss flächendeckend und regelmäßig kontrolliert werden. Veranstaltungen, die nicht zwingend nötig sind, werden abgesagt. Social Distancing muss für alle möglich werden, ohne Nachteile.
  • Bürgerinnen und Bürger, insbesondere Beschäftigte, müssen flächendeckend über Gesundheitsgefahren aufgeklärt werden.

3. Niemand wird fallengelassen: soziale Garantien für Menschen in prekären Lebenslagen, für Solo-Selbstständige und für Kleinstunternehmen.

  • Im Handwerk, im Kulturbetrieb, der Gastronomie, im Einzelhandel und der Pflege: In vielen Bereichen fürchten Menschen um ihre Gesundheit und Existenz. Der erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld reicht nicht. Es braucht entschiedene staatliche Maßnahmen. Ausgefallene Löhne und Honorare müssen überführt werden. Gleichzeitig müssen insbesondere Beschäftigte in Lebensmittelmärkten geschützt werden. Die Unternehmen sollen ihren Angestellten verpflichtend Desinfektionsmittel und Latexhandschuhe zur Verfügung stellen.
  • Niemand verliert seine Arbeit, niemand muss krank zur Arbeit. Das ist die beste Wirtschaftshilfe. Gegen Unternehmen, die erkrankte Beschäftigte nicht umgehend nach Hause schicken und keine Maßnahmen zum Schutz ihrer Beschäftigten einleiten, müssen Bußgelder verhängt werden. Besonders gefährdet sind Pflegekräfte und medizinisches Personal. Während der SARS-Epidemie waren zwanzig Prozent der Verstorbenen Angehörige dieser Berufsgruppen. Sie müssen in besonderem Maße geschützt werden.
  • Die Absage von Messen, Festivals und Großveranstaltungen bringt viele insbesondere kleinere Unternehmen an den Rand der Insolvenz. Soloselbstständige, Kulturbetriebe, Arbeiter*innen der Kreativwirtschaft, Messebauer*innen und Handwerker*innen können in Folge der Pandemie in enorme wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen. Hier braucht es unbürokratische Hilfen und soziale Garantien. Wir schlagen hierfür ein Pandemie-Überbrückungsgeld für alle vor, deren Einkommen durch die Pandemie gefährdet sind. Die bei Hartz IV üblichen Regeln, wonach zunächst alles Angesparte inklusive der eigenen Altersvorsorge aufzubrauchen ist, treffen viele hart. 

Als Sofortmaßnahme muss daher bei Beantragung von Grundsicherungen für die Dauer der Pandemie die Vermögensprüfung ausgesetzt werden.

Als Sofortmaßnahme werden für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen, die durch Einkommensverluste während der Pandemie in ihrer monatlichen Existenz gefährdet sind, aber über in ihrem Unternehmen gebundenes Vermögen verfügen, zinsfreie und langfristig gestreckte Darlehen ausgegeben. 

4. Eltern unterstützen: Wenn Schulen oder Kitas schließen, können Eltern nicht arbeiten – und werden nicht bezahlt. Vor allem bei niedrigen Einkommen sind die Ausfälle sofort spürbar. Für Eltern braucht es eine Entgeltgarantie bei Schließungen.

5. Liquiditätssicherung für besonders verwundbare Bevölkerungsgruppen

  • Die Regelsätze für von Armut betroffene Rentner*innen und Hartz-IV-Betroffene sind schon im Alltag viel zu niedrig. Individuelle Bewältigungsstrategien wie der Gang zu Lebensmitteltafeln oder Suppenküchen stehen vielfach nicht mehr zur Verfügung, weil dort die Freiwilligen fehlen oder Desinfektionsmittel knapp werden. Von kurzfristigen Preissteigerungen bei spezifischen Lebensmittelknappheiten und notwendigen Dienstleistungen bei Krankheitsverdacht und im Quarantänefall sind daher insbesondere die ärmsten Bevölkerungsgruppen besonders betroffen. Wir fordern hier einen schnellen und unbürokratischen Krisenmechanismus: Ein Pandemiezuschlag auf Sozialleistungen nach dem SGB II, III und XII ist daher kurzfristig notwendig.

6. Niemand darf alles verlieren: Die Krise trifft die am härtesten, die wenig haben. Niemandem darf alles genommen werden. Der Staat muss handeln: 

  • Keine Sanktionen im Jobcenter, Meldetermine sollten abgesagt werden, so dass niemand in Schlangen oder überfüllten Warteräumen sitzen muss. 
  • Wohnungslose sind aufgrund ihrer Lebenssituation eine gesundheitlich hoch belastete Bevölkerungsgruppe und gehören vielfach zur Risikogruppe. Um die Belegungsdichte in Notunterkünften zu reduzieren, müssen zusätzliche Räumlichkeiten akquiriert werden. Zwangs-Räumungen von Wohnungen müssen ausgesetzt werden. In vielen Bundesländern ist noch immer Heimunterbringung für Geflüchtete der Regelfall. In sogenannten Ankerzentren dienen sie der Abschreckung von Schutzsuchenden durch möglichst unwirtliche Lebensbedingungen. Dazu gehört, dass es keine Möglichkeit gibt, selbst zu kochen. Die Angewiesenheit auf Massenspeisung in Großkantinen setzt die Betroffenen einer unnötigen Infektionsgefahr aus. Dezentrale Unterbringung ist daher nicht nur ein Gebot der Humanität, sondern auch des Schutzes vor Ansteckung. Wo immer möglich, müssen Menschen (Obdachlose, Geflüchtete) in Wohnungen statt in Sammelunterkünften untergebracht werden.

7. In die Zukunft investieren: Die 3,1 Milliarden der Bundesregierung reichen nicht einmal für das Nötigste. Für die Krankenhäuser braucht es Sofortinvestitionen und einen schnellen Abbau des in den vergangenen Jahren aufgelaufenen Investitionsstaus von 30 Mrd. Euro.

  • Wir fordern ein Investitionsprogramm von 120 Milliarden jährlich, in Gesundheit, Bildung, Kinderbetreuung, Wohnen, ÖPNV, Energiewende und Digitalisierung. Die Hälfte davon muss aus den öffentlichen Haushalten finanziert werden, die andere Hälfte finanziert sich aus den gestiegenen Steuereinnahmen. Das verbessert die Infrastruktur, stützt die Wirtschaft und hilft allen, nicht nur den Millionären und Unternehmen.
  • Damit die Coronapandemie nicht zu einer Rezession führt, muss jetzt die Schuldenbremse ausgesetzt werden. Dies ist in Art. 109 Abs. 3 GG ausdrücklich für Notsituationen vorgesehen. So unsinnig die Schuldenbremse ist: in dieser Zeit ist sie verheerend.

8. Risiko im ÖPNV senken: Fahrkartenkontrollen werden ausgesetzt, um die Beschäftigten vor Ansteckung zu schützen. In Berliner Bussen wird das bereits gemacht. Dass Busse und Bahnen vielerorts überlastet und überfüllt sind, wird jetzt zum Gesundheitsproblem: Ein massiver Ausbau des ÖPNV hilft.

9. Was alle brauchen, ist für alle da. Bereits jetzt ist zu beobachten, dass Schutzmasken und Desinfektionsmittel als Spekulationsobjekte genutzt, gehortet und zu überhöhten Preisen abgegeben werden. Die Beschaffung muss koordiniert werden. Wissenschaftliche Forschungsergebnisse und  Medikamente müssen öffentlich zugänglich bleiben und dürfen nicht für die exklusive Nutzung in anderen Ländern verkauft werden. Die Möglichkeit, dringend benötigte Güter notfalls auch zu beschlagnahmen, ist zu prüfen.

10. Füreinander da sein, Solidarität organisieren: Merkel und Spahn fordern solidarisches Handeln der Einzelnen ein. Das ist richtig, vergisst aber, dass sie die gesellschaftlichen Strukturen der Solidarität abgebaut haben. Wir wollen eine solidarische Gesellschaft. Der Neoliberalismus macht uns zu Einzelnen, wir wollen anders leben. Deshalb gilt natürlich: Wir müssen in dieser Situation denjenigen helfen, die zu den Hochrisikogruppen zählen: Für Nachbarn einkaufen, Hilfe anbieten, Telefonieren. Zu einem solidarischen Handeln gehört auch: kein Hamstern von Produkten, die alle benötigen. Kein massenhaftes Aufkaufen von Medizinprodukten. Kein Diebstahl von Desinfektionsmitteln in Krankenhäusern und Altersheimen. Achtsam sein und jene schützen und unterstützen, die zu Risikogruppen gehören. Niemand wird allein gelassen.

II. Systemwechsel heißt: Unser Gesundheitssystem pandemiefest machen.

Aus der Coronapandemie müssen politische Lehren für die Zukunft gezogen werden.

1. Die Sparrunden haben die kommunalen Gesundheitsämter an den Rand der Funktionsfähigkeit gebracht. In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Ärzt*innen in den Gesundheitsämtern um ein Drittel reduziert worden. Die Kommunen müssen dringend bei der Aufstockung des verfügbaren Personals unterstützt werden. Spätestens jetzt rächt es sich, dass in der Bundesrepublik in den letzten Jahren massenhaft Krankenhäuser geschlossen wurden und in einigen (besonders ländlichen) Regionen dadurch die Grundversorgung eingeschränkt ist.

Eine Lehre für die Zukunft, die wir schon heute ziehen können, lautet: Gesundheitswesen und Pflegebereich dürfen niemals kaputtgespart oder durch Privatisierungen dem Profitstreben untergeordnet werden.

2. Wir brauchen bundeseinheitliche Regelungen und ein bundeseinheitliches abgestimmtes Vorgehen für den Katastrophenfall. Wir benötigen ein Katastrophenschutzgesetz des Bundes. Die Kleinstaaterei muss für Pandemiefälle überwunden werden. (Gleiches gilt im Übrigen auch auf der Landesebene, wo jedes Gesundheitsamt der einzelnen Landkreise unterschiedliche Entscheidungen und Anordnungen treffen kann) Ein Virus macht nicht an den Grenzen der Bundesländer halt.

3. Zukünftig muss eine Staatsreserve für lebenswichtige Medizingüter und Medizinprodukte aufgebaut werden, die im Bedarfsfall zentral gesteuert und bedarfsgerecht verteilt werden können.

4. Es zeigt sich nun, dass die Produktionsverlagerung von Medikamenten und Medizinprodukten und die Konzentration dieser Produktion in einigen wenigen Länder (z.B. China) zwar dem Profitstreben weniger Konzerne diente, doch ein großer Fehler war. Dringend notwendige Medikamente und Medizinprodukte fehlen, wenn die Produktion in diesen Ländern ausfällt beziehungsweise die globale Warenströme nachhaltig gestört werden. Deutschland, zumindest jedoch Europa, benötigen eigene Produktionsstandorte für Medikamente und Medizinprodukte. 

Information zu Veranstaltungen und Co.

19. März 2020  Die LINKE regional

Aufgrund der aktuellen Lage rund um Corona und um zur Eindämmung der Pandemie beizutragen, hat die LINKE Schwäbisch Hall/Hohenlohe beschlossen alle Veranstaltungen, offene Treffs, Sitzungen und Büroöffnungen bis vorraussichtlich 14. April 2020 abzusagen!

Danke für Ihr Verständnis.

Bleiben Sie gesund!